GCJNWJ – Nothing but stones – Kinnarodden – Nordkinn

Viele Namen, noch mehr Steine, unendlich anstrengend 😎

Der Kinnarodden, bzw. der Cache, ist eine Gegend die der unsichtbaren Heike und mir wohl ewig im Gedächtnis bleiben wird, für uns eines der größten kleinen Abenteuer die wir hinter uns gebracht haben. Und da immer mal wieder jemand nach Tipps und Ratschlägen fragt weil er selber darüber nachdenkt den Marsch auf sich zu nehmen möchte ich hier mal versuchen ein paar Tipps zu geben. Also nicht der übliche stolze Artikel in dem man versucht die eigenen Leistung unauffällig an den Mann zu bringen sonder eher ein paar Auslassungen dazu was uns im Nachhinein aufgefallen ist oder was man hätte besser machen können. Immerhin haben wir es beim ersten mal 2011, auch mit etwas Glück, geschafft. Beim zweiten mal 2018 sind wir nach rund 3/4 der Strecke umgedreht und ich glaube heute noch dass es die richtige Entscheidung war auch wenn ich mir da mit der unsichtbaren Heike nicht völlig einig bin. Aber wie gesagt, es geht dieses mal nicht um die Tour an sich sondern eher um Tipps.

Es gibt zwei Hauptwege die einen nach vorne führen. Der eine Weg startet in Mehamn am Flugplatz, der andere ein Stück außerhalb von Mehamn auf einem großen Natur-Parkplatz. Ich habe beide Strecken mal hier als GPX-Datei dazu gepackt. Nach einigen Kilometer treffen beide Wege zusammen und führen dann auf einer gemeinsamen Strecke zum Ziel. Wobei auch diese zwei Möglichkeiten bietet, einmal unten am Meer entlang, einmal oben über ein Hochplateau. Wir sind nur oben gelaufen da der Abstieg zum Meer inkl. laufen durch Sand nicht so verlockend klang. Der Weg über Mehamn führt einen zweimal durch Wasser das je nach Jahreszeit unterschiedlich tief ist. Bei uns war es Anfang August 2011 etwa kniehoch und man musste Schuhe und Hose besser ausziehen. Dazu war es von Vorteil Badelatschen dabei zu haben denn auch im Wasser sind halt viele spitze Steine. 2018 sind wir den alternativen Weg gegangen der etwas 1-2 Kilometer länger ist und wie wir erleben durften erheblich anstrengender. So braucht man hier nicht durch Wasser, dafür läuft man vom Start an sofort auf Hardcore-Untergrund, also Steinen jeder Größe. Dagegen sind die ersten 2-3 Kilometer von Mehamn fast schon lieblich zu nennen. Man bedenke die Gegend, wandern wir normal mit rund 4,5 km/h erreichten wir dort oben gerade mal so 2 km/h. Vielleicht wären noch 0,5 km/h mehr drin aber wir waren sehr vorsichtig denn wenn man sich hier vertritt wird es schwierig.

Welche Strecke man nun nimmt muss jeder für sich selbst entscheiden, ebenso in welcher Zeit er es schaffen will, das ist ja doch sehr individuell. Aber jetzt zu unseren Erfahrungen.

Die Umgebung

Es handelt sich wirklich um riesige Steinflächen die man überquert. D.h. kaum Vegetation, kaum Tiere. Mit Glück ein paar Rentiere, wenige Vögel und ein paar Mini-Nager, sonst wirklich nichts. Außer Mücken und die je nach Wetter kaum bis unfassbare Mengen. Große Steigungen gibt es nicht, meist geht es nur wenige Meter hoch und runter. Außer am Ende der Wanderung, da geht es dann noch mal so richtig steil runter und das sollte man nicht unterschätzen, hier geht es zum Teil auf allen vieren voran! Zelt und Gepäck also besser oben lassen. Wasser ist überhaupt kein Problem, es gibt immer wieder Seen deren Wasser trinkbar ist. Wir haben es so getrunken wie es da ist, ohne irgendwelche chemische Aufbereitung, Filter oder ähnliches und haben keinerlei Probleme gehabt obwohl ich an sich einen recht empfindlichen Magen habe.

Wetter

Das Wetter kann hier extrem sein und blitzartig wechseln. Selbst im Juli ist Graupel oder Schnee in geringem Umfang gar nicht so selten. Gern auch Nebel und Sturm, Regen in großen Mengen aber auch Sonne satt. So sind wir 2011 einen ganzen Tag mit max. 10 Meter Sicht durch den Nebel gelaufen und hatten erst dann einen Regen-/Sonne-Mix. 2018 sind wir hingegen bei 28° gelaufen wodurch wir auch zum Aufgeben gezwungen waren. Nicht vergessen, hier scheint dann 24 Stunden die Sonne und das ist bei blauem Himmel ein Problem denn Schatten gibt es kaum da nichts da ist was Schatten spenden könnte!

Material

Trekking-Stiefel! Keine Wanderstiefel, die Sohle ist für diese Umgebung einfach zu weich! 2011 waren am Ende der Wanderungen bei meinen Lowa-Wanderschuhen beide Sohlen durchgebrochen, da hatte ich Glück dass das erst sehr spät passierte. 2018 musste ich mit Salomon Stiefeln laufen die zwischen Wandern und Trekking anzusiedeln sind da meine Meindl direkt vor dem Start die Sohle abwarfen und die Stiefel haben zwar gehalten aber meine Füße sahen am Ende recht gruselig aus. Ich empfehle hier richtige Trekking-Stiefel, gern auch Berg-Stiefel.

Warme Klamotten, wasserdichte Klamotten und Mückenschutz. Es gibt z.B. bestimmte Hemden die werden so genäht das Mücken nicht durchstechen können, ist hier Gold wert. Auch ein Hut mit Mückenschutz ist durchaus nicht übertrieben, ebenfalls sollte eine sonnendichte Kopfbedeckung Pflicht sein! Wir haben 2018 den Rückweg fast ohne Pause gemacht weil bei jeder Pause nachts innerhalb von Sekunden wahren Mückenschwärme über uns herfielen. Und wir hatten abends fast einen Sonnenstich weil nach 14 Stunden Sonne satt die Kopfbedeckungen wohl nicht gut genug waren.

Das Zelt sollte klein, klein und noch mal klein sein. Das Problem ist nämlich überhaupt eine Fläche zu finden um es aufbauen zu können da eben wirklich alles voller Steine ist! Es gibt in etwa der Mitte der Strecke ein Stück wo sich Teich an Teich befindet, dort gibt es wenige Grasflächen auf denen sich das Zelten anbietet aber selbst da ist wenig Platz.

Essen, wirklich gutes Essen! Nicht unterschätzen was für einen enormen Energiebedarf man auf so einer Strecke hat. 2011 sind wir am 3. Tag kaum auf die Beine gekommen und haben alles was Fettig war in die Pfanne geworfen um einen Energie-Schub zu bekommen. Daher richtiges Outdoor-Futter mitnehmen, nicht die „normale“ Küche. Und lieber was für 5 Tage einpacken statt für 3 falls einen das Wetter doch mal überrascht.

Sonstiges

Vorher darauf einstellen was auf einen zukommt, eben z.B. 2 km/h rechnen und nicht normale Wandergeschwindigkeit. Es handelt sich nicht um eine Strecke aus der man die Gedanken schweifen lassen kann, man ist ununterbrochen beschäftigt zu schauen wo man hin tritt! Handy, am besten zwei, mitnehmen. Sollte einem etwas passieren hat man meist Handy-Empfang. Ansonsten ist man dort oft allein und die nächste Hilfe ist wirklich weit, weit weg.

Fazit

Vernünftige Ausrüstung, ein wenig Training (20 km Wanderungen) im Vorfeld, Respekt vor der Strecke. Das meiste ist wirklich Kopf-Sache. Und wenn ihr da lauft überschätzt euch nicht. Manchmal ist es auch sinnvoller abzubrechen wenn man sich nicht sicher ist, da bricht einem kein Zacken aus der Krone. Es ist dafür ein Erlebnis dass man so schnell nicht vergisst.

Für uns sollte es 2018 zur Silberhochzeit das letzte mal gewesen sein dass wir uns so etwas antun. Mittlerweile sieht es aber fast so aus als könnte Heikes 60ster Geburtstag noch mal ein Anlass sein da oben vorbei zu schauen 😎

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